Ladenburg – ein Streichquartett

Ladenburg. Er hat ein Streichquartett, jede Menge Lebensweisheiten und sogar die Freudentränen eines Teenagers auf die Ladenburger Festwiese gebracht: Rapper Alligatoah versetzt mit dem Gregor Schwellenbach Streichquartett mehr als 900 Menschen in Ekstase.

Bis die Menge mitsingt, brauchen die Künstler nicht einmal ein Lied. Die Stimmung auf den Picknickdecken und Klappstühlen auf der Wiese ist ausgelassen. Für die Freunde Vivien und Philipp war es das erste Konzert nach einer langen Corona-Pause. „Wir sind jetzt keine Alligatoah-Ultras, aber eben schon Fans“, sagt Vivien. Beide sind froh, dass es endlich mal wieder eine Kulturveranstaltung gibt. Das „Beat and Eat“-Konzept finden sie auch gut. Die Konzertgänger können sich bei dem Festival entscheiden zwischen Plätzen auf Picknickdecken oder Liegestühlen. Vivien und Philipp wählten Letztere. „Der Zahn der Zeit nagt an jedem, und irgendwie muss man ja auch wieder von diesen Decken hochkommen“, erklärt Vivien scherzend.

Und während die Menge auf der Festwiese endlich einmal wieder ein Konzert genießt, beeindruckt Rapper Alligatoah auf der Bühne mit einer eindrucksvollen Choreografie auf einem Bürostuhl. In gewohnter Alligatoah-Manier kommt der Humor an diesem Abend nicht zu kurz. So ist der heimliche Star des Konzerts ein Paket, das zuerst einfach nur auf der Bühne steht, sich im Verlauf des Abends aber immer mehr bewegt und schließlich dem Sänger sogar seinen Bürostuhl streitig macht. Das Paket erobert schnell die Herzen der Fans – auch wenn das Geheimnis, welcher hosenlose Mensch sich in dem Karton verbirgt, bis zum Schluss nicht aufgelöst wird.

Immer wieder stellt der Rapper das Streichquartett und sich als „Paketboten“ vor. Dieser Umstand und das Spielen eines bisher nicht veröffentlichten Songs, in dem es um einen Job neben dem Nebenjob und das Dasein als Paketbote geht, lassen bei den Fans Hoffnung auf ein neues Album aufkommen. Seine Lebensweisheiten teilt der Rapper den Konzertbesuchern frei Haus mit.

„Esst weniger Menschen“ lautet eine, die man nicht verstehen muss. Eine andere ermutigt zum Diebstahl. Denn der sei „die höchste Kunst des Recyclings“. Den Aufruf nimmt ein Konzertgänger wörtlich: Er stiehlt dem Rapper kurzerhand die Kappe von der Bühne und schenkt sie – zumindest bis die Security sie zurückholt – der 14-jährigen Emily.

Während der Mond über der Bühne aufgeht, erheben sich immer mehr Fans, singen und wippen mit. „Alligatoah kriegt es mit seinen Texten und der Musik so gut hin, einen mitzureißen“, schwärmt Rika. Auch ihr gefällt das „Beat and Eat“-Konzept. „Es ist toll, dass das Essen hergetragen wird, und man sich nicht wie sonst bei Konzerten durch die Menge kämpfen muss, in Schlangen steht und Bier verschüttet“, lobt ihr Freund Paul. Einziger Kritikpunkt: „Müllmäßig ist es aber schon schwierig, dass hier alles einzeln in Tüten gebracht wird.“ Und: „Es hätte ruhig mehr vegetarisches Essen als Pommes geben können.“

Der Veranstalter ist zufrieden mit dem Abend. „Es war großartig“, sagt Daniel Gerngroß von Demi-Promotion. Für ihn ist Alligatoah ein „Ausnahmekünstler“. Der Kontakt entstand im vergangenen Jahr, als Alligatoah auch beim Carstival von Demi-Promotion aufgetreten ist. „Er spielt normalerweise größere Konzerte“, sagt Gerngroß. Der Stimmung auf der Festwiese hat das aber keinen Abbruch getan. Ob Demi-Promotion den Künstler noch einmal holen kann? „Wir werden sehen, wie sich 2022 entwickelt“, sagt Gerngroß.

Und was sagt Alligatoah zur Römerstadt? „Ladenburg ist schön“, meint der Künstler im Gespräch mit der RNZ. Ob das nun mit oder ohne Ironie zu verstehen sei, „können sich die Leser selbst denken“.

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