Die Veranstaltungsbranche durch Corona düster

Hirschberg-Leutershausen. Dass es für die Veranstaltungsbranche durch Corona düster aussah, ist nichts Neues. Dass man sich aber davon nicht unterkriegen lassen muss und versucht, aus der Situation etwas Positives zu ziehen, zeigt die Hirschberger Veranstaltungsagentur DeMi Promotion. Ein Highlight, das sicher vielen Hirschbergern noch lange im Gedächtnis bleiben wird, waren die Konzerte von Johannes Oerding und Revolverheld im Sommer auf dem Gelände des Sportzentrums. Das war aber nur die Spitze des Eisbergs, denn auch das „Beat & Eat“-Festival mit insgesamt 13 Konzerten auf der Ladenburger Festwiese, im Weinheimer Schlosspark und am Waidsee bot ein breites Programm für Ausgehfreudige.

Spontanere Gäste machen Organisation schwieriger

Dass die Veranstaltungen so reibungslos abliefen, habe auch daran gelegen, dass man seit Ausbruch der Pandemie im Jahr 2020 immer wieder Ideen weiterentwickelt habe, um unter Einhaltung der sich laufend verändernden Verordnungen etwas anbieten zu können, wie Geschäftsführer Dennis Gissel, berichtet: „Das hat alles wirklich top funktioniert“, freut sich Gissel. Am Anfang stand das „Carstival“, ein modernes Autokino auf dem Mannheimer Maimarktgelände. Dort gab es erstmals die Möglichkeit, sich Speisen und Getränke per App zu bestellen und vom Service-Personal direkt ins Auto geliefert zu bekommen.

Schnell war klar, dass das ebenso für andere Veranstaltungen möglich ist und wurde so auch bei den Konzerten im zweiten „Corona-Sommer“ umgesetzt. Das kontaktlose Konzept soll auch für die nächste Saison und das „Beat & Eat 2.0“, das gerade in Planung sei, beibehalten werden. „Es wird wieder Liegestühle und Loungebereiche geben“, ein Stehplatz- Angebot könne vielleicht ergänzt werden, erzählt der Geschäftsführer.

Die „Baracca Swiss“, die original Schweizer Skihütte, die als „klassisches Gastrokonzept“ in Heidelberg für ein gemütliches Beisammensein sorgt, war außerdem die neue DeMi-Idee für den Winter.

Neben dem Enthusiasmus für die neuen Konzepte und Projekte, die stattfinden konnten, stehen aber auch die großen Schattenseiten der Pandemie. Abgesagte Konzerte wie das von Dieter Thomas Kuhn warten zum Teil schon seit fast zwei Jahren auf ihre Nachholung. Dadurch sei es schwer, „neue Veranstaltungen zu platzieren“, da die Leute erst mal auf die Konzerte gehen würden, auf die sie schon lange warten würden.

Die Zuschauerzahlen, die durch die Abstandsregeln extrem gedrosselt werden mussten, boten keinen Raum für große Konzerte, die die Spezialität von DeMi sind: „Ein Fanta-Vier-Konzert mit 20.000 Zuschauern, davon kann man Stand jetzt nur träumen.“ Der organisatorische Aufwand sei durch die erhöhten Kontroll- und Reinigungseinheiten allerdings der gleiche.

Dass Großveranstaltungen wie der „Hessentag“ weiterhin abgesagt würden, mache der „ganzen Branche Bauchschmerzen“. Die ständigen Änderungen bei der Testpflicht und anderen Auflagen, die von den Gastronomen und Veranstaltern kontrolliert werden müssen, seien außerdem aufreibend. So würden viele Gäste ausbleiben: „Wenn die Leute geboostert sind und sich trotzdem noch testen müssen, um auszugehen, überlegen sie sich zweimal, ob sie nicht lieber zu Hause bleiben.“

Um der Situation zu begegnen, sei das Arbeiten „zurzeit geprägt von einem Höchstmaß an Flexibilität“. Neue Vorgaben seien teilweise noch am Tag der Veröffentlichung umzusetzen, was alle in der „Veranstaltungsbranche und vor allem auch die Gastronomie vor große Herausforderungen stellt“, so Gissel. Das Verordnungschaos habe zu massiven Stornierungen und somit Umsatzeinbußen geführt.

Ein weiteres Problem sei auch, dass man kaum Leute finden würde, um die mitunter sehr spontan aufgezogenen Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Und spontaner würden auch die Gäste. Während die Veranstaltungen früher schon Wochen im Voraus ausverkauft und dadurch gut zu planen waren, seien die Feiernden momentan eher vorsichtig: „Man kann manchmal erst zwei Tage vorher abschätzen, wie ausgelastet ein Konzert sein wird, das macht es extrem schwer zu organisieren.“ Viele hätten Angst, dass die Veranstaltung durch eine pandemische Entwicklung doch noch abgesagt würde. Bis sich die Menschen wieder auf ein unbeschwertes Ausgehen eingestellt hätten, würde wahrscheinlich auch ein „Run“ auf die Veranstaltungen ausbleiben, prophezeit Gissel.

Hygienemaßnahmen und andere Beschränkungen hätten zudem zu einer Preisexplosion für die Veranstalter geführt, die nur schwer abzudecken sei: „Wir können ja auch nicht alles auf die Ticketpreise umlegen, dann kommt ja keiner mehr“, schätzt DeMi-Gründer Gissel ein. Gut laufe die Beantragung und Auszahlung von staatlichen Hilfen, „auch wenn die Abwicklung manchmal schneller gehen könnte“. Auch der Umstand, dass „wir jahrelang gut gewirtschaftet haben“, würde dem Veranstalter helfen, die Krise bislang bewältigen zu können.

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